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Toxische Achtbeiner
Die giftigsten Spinnen der Welt
Spinnen faszinieren und beängstigen zugleich – vor allem wegen ihres Giftes.Doch welche Art trägt tatsächlich den Titel der giftigsten Spinne der Welt?
Forscher sind sich nicht in allen Punkten einig. Klar ist jedoch: Ein bestimmtes Tier sticht selbst unter hochgiftigen Kandidaten deutlich hervor – und taucht sogar gelegentlich ganz unerwartet bei uns auf.
Keine akute Gefahr in Deutschland
Zunächst eine beruhigende Nachricht für Menschen mit Spinnenangst: Die giftigste Spinne der Welt lebt nicht in Mitteleuropa.
Von den rund 1000 in Deutschland vorkommenden Arten ist keine bekannt, deren Biss für gesunde Erwachsene lebensbedrohlich wäre.
Hinzu kommt, dass die Beißwerkzeuge vieler heimischer Spinnenarten zu kurz sind, um menschliche Haut überhaupt zu durchdringen.1
Diese Spinnen gelten als besonders giftig!
Weltweit sind etwa 45.000 Spinnenarten wissenschaftlich beschrieben. Unter ihnen gibt es mehrere Kandidaten, die regelmäßig als besonders gefährlich eingestuft werden:
Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus)
Die Sydney-Trichternetzspinne zählt zu den wenigen Spinnen weltweit, deren Biss für erwachsene Menschen potenziell lebensgefährlich sein kann. Sie lebt im weiteren Umfeld der australischen Metropole Sydney und galt lange Zeit als eine einzelne Art mit dem wissenschaftlichen Namen Atrax robustus.
Neue Forschungsergebnisse eines internationalen Teams unter Beteiligung der Universität Hamburg und des Leibniz-Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels zeigen jedoch, dass es sich tatsächlich um einen Artenkomplex aus drei genetisch und morphologisch unterscheidbaren Arten handelt.
Neben der „echten“ Sydney-Trichternetzspinne, die vor allem im Großraum Sydney und an der Central Coast vorkommt, gehören dazu die südlicher verbreitete Atrax montanus sowie die deutlich größere, neu beschriebene Art Atrax christenseni aus der Region um Newcastle.
Für die Giftforschung ist diese Erkenntnis von großer Bedeutung, da Spinnengifte artspezifisch variieren können. Bekannt ist zudem, dass das Gift der Männchen etwa fünf- bis sechsmal giftiger ist als das der Weibchen.
Seit der Einführung eines wirksamen Gegengiftes Anfang der 1980er-Jahre wurden jedoch keine Todesfälle mehr registriert, obwohl die Sydney-Trichternetzspinne weiterhin als eine der giftigsten und gefährlichsten Spinnen der Welt gilt.
Die Brasilianische Wanderspinne (Phoneutria nigriventer)
Die Brasilianische Wanderspinne gilt mit als die giftigste Spinne der Welt und taucht sogar gelegentlich mal in Deutschland auf. Foto: Getty Images / TacioPhilip
Ihren Namen hat sie, weil sie als Nomadin lebt.
Die Kammspinne baut weder ein Netz, noch fertigt sie sich irgendeine Art von Unterschlupf an.
Tagsüber sitzt die nachtaktive Jägerin meist versteckt in Bromelien, in Termitenhügeln, umgekippten Bäumen, in Felsspalten oder in Bananenstauden, mit denen sie aus Versehen mitverschifft wird.
Ihre Beute erlegt die Lauerjägerin sozusagen unterwegs auf ihren bis zu 100 Meter weiten Wanderungen.
Auf ihrem Speiseplan stehen Grillen, Schaben, aber auch größere, wehrhafte Skorpione und Hundertfüßer.
Auch kleine Wirbeltiere wie Mäuse, Frösche, Eidechsen oder Jungvögel in Nestern geraten in ihre Fänge. Fühlt sich eine Bananenspinne bedroht, zieht sie sich nicht zurück, sondern stellt sich auf die Hinterbeine und hebt die Vorderbeine vertikal an.
Dabei wiegt sie sich hin und her und zeigt dem Angreifer so die Warnfarben an der Unterseite ihrer Beine und die gesträubten Beinstacheln. Wenn dies keine Wirkung zeigt, geht die durchschnittlich 35 Millimeter große, robuste Spinne zum Angriff über.
Südliche Schwarze Witwe (Latrodectus mactans)
Die schwarze Witwe halten viele für die giftigste Spinne der Welt. Tatsächlich ist ihr Biss aber selten tödlich.
Die Südliche Schwarze Witwe (Latrodectus mactans) ist eine der bekanntesten und zugleich am meisten gefürchteten Giftspinnen der Welt.
Sie gehört zur Familie der Kugelspinnen und ist die wohl prominenteste Vertreterin der sogenannten Echten Witwen. Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom Südosten der Vereinigten Staaten über Mexiko und Zentralamerika bis in weite Teile Südamerikas.
Das Weibchen erreicht eine Körperlänge von etwa acht bis 13 Millimetern und ist damit deutlich größer als das nur vier bis sechs Millimeter große Männchen. Charakteristisch ist ihr Haubennetz, ein locker gesponnenes Deckengespinst mit klebrigen Fangfäden, das meist bodennah zwischen Vegetation, Steinen oder an Gebäuden angelegt wird.
Gefährlich ist vor allem ihr Gift: Es handelt sich um ein stark wirkendes Nervengift, dessen Hauptbestandteil Alpha-Latrotoxin unkontrollierte neuromuskuläre Reaktionen auslöst.
Ein Biss wird oft zunächst kaum wahrgenommen, kann jedoch nach 30 bis 60 Minuten zu starken Muskelkrämpfen, insbesondere im Bauchbereich, sowie zu generalisierten Muskelschmerzen, Schwellungen und Rötungen führen. Unbehandelt können die Beschwerden über Tage anhalten.
Todesfälle sind selten, betreffen jedoch vor allem geschwächte Personen, Kinder oder ältere Menschen. Trotz ihres Rufes gilt auch für die Südliche Schwarze Witwe:
Sie ist scheu, nachtaktiv und beißt in der Regel nur, wenn sie
sich unmittelbar bedroht fühlt.
Wann beißen Spinnen zu und was kann passieren?
Doch auch die giftigsten Spinnen der Welt beißen generell nur im Notfall zu, wenn sie sich verteidigen müssen und keinerlei Fluchtmöglichkeiten mehr haben.
Dabei gelangt das Gift über die Beißwerkzeuge in den menschlichen Körper.
Bei Bissen von Giftspinnen bildet sich an der Bissstelle eine kleine juckende Blase. Innerhalb von 30 bis 60 Minuten schmerzt die ganze Gliedmaße, die zusehends anschwillt.
Es können Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen sowie leichte Lähmungen der Atmung und des Zwerchfells auftreten.
Die geschwollene Stelle muss gekühlt werden, zudem sind Schmerzmittel zu empfehlen. Bei schweren Verläufen, die sogar zum Tode führen können, hilft nur die schnelle Gabe eines wirksamen Gegengiftes.
Bananenspinne gelegentlich auch in Deutschland
Von allen Arten, die als giftigste Spinne der Welt gelten, sorgt vor allem die Brasilianische Wanderspinne immer wieder für Schlagzeilen, da sie gelegentlich mit Bananenlieferungen nach Europa gelangt.
Die Wahrscheinlichkeit, eine Begegnung mit einer Bananenspinne zu haben, ist in Deutschland relativ gering, denn nur 0,8 % unserer Dessertbananen werden aus Brasilien importiert.
Oft handelt es sich um ein Exemplar der Großen Bananenspinne (P. boliviensis), deren Gift deutlich ungefährlicher ist, oder um ein anderes harmloses Spinnentier.
Auch wer durch den Regenwald von Brasilien streift, bekommt die Brasilianische Wanderspinne eher selten zu sehen.
Doch die wanderlustige Kammspinne hält sich gerne in von Menschen besiedelten Gegenden auf und sucht sich dort bevorzugt einen Unterschlupf in Schränken und Haushaltsutensilien. Wenn man sie dort unbeabsichtigt stört, verteidigt sie sich und beißt unvermittelt zu.
Was passiert, wenn man von der giftigsten Spinne der Welt gebissen wird?
Das Giftsekret der Bananenspinne besteht aus etwa 150 chemischen Verbindungen. Dieser neurotoxische Giftcocktail verändert u. a. die Rezeptoren des neuromuskulären Systems.
Das kann zu Krampfanfällen, Speichel- und Tränenfluss, Lähmungen, Erschöpfung, Schläfrigkeit, Erbrechen, Ataxien, erschwerter Atmung, Herzrhythmusstörungen, akutem Lungenödem bis hin zu schmerzhaften Erektionen, aber auch zu starkem Abfall des Blutdrucks führen.
Bei Hunden sind Niesanfälle ein erstes Symptom für einen Biss. Wer das Pech hat, von einer Brasilianischen Wanderspinne gebissen zu werden, hat es in 70 Prozent der Fälle mit einem Männchen zu tun.
Die gute Nachricht ist, dass diese eine deutlich geringere Giftmenge abgeben, sodass die meisten Unfälle harmlos sind und keine Gabe eines Gegengiftes, des Antiserums Anti-ctenidico, nötig ist.
Gefährlicher Arachnid
Die Trichternetzspinne hat für jeden Anlass ein Gift
Australische Trichternetzspinnen gelten als eine der gefährlichsten Spinnen der Welt.
Ihr Gift kann beim Menschen Muskelzuckungen, Ohnmacht und sogar Herzstillstand auslösen. In der Medizin und der Agrarwirtschaft könnte das Gift der Trichternetzspinnen aber äußert nützlich sein.
Stellt sich nur die Frage: Was beeinflusst die Produktion des Spinnengifts und warum ändert sich die Zusammensetzung? Ein Forschungsteam aus Australien hat Antworten.
Australische Trichternetzspinnen gehören zu den gefährlichsten Spinnen der Welt.
Ihr Gift kann beim Menschen und bei anderen Primaten schwere Symptome auslösen: eine schmerzhafte Schwellung an der Bissstelle, tränende Augen, Muskelzuckungen und Herzrasen, um nur Beispiele zu nennen.
Ohne schnelle Behandlung können sogar Ohnmacht oder Herzstillstand eintreten. Interessanterweise scheint das Gift kaum eine Wirkung auf andere Säugetiere, wie etwa Katzen oder Hunde, zu haben.
Welche Faktoren beeinflussen aber die Produktion des Spinnengifts? Dieser Frage ist die Biologin Linda Hernández Duran von der australischen James Cook University nachgegangen.
Gemeinsam mit ihren Kollegen hat sie untersucht, inwiefern die Herzfrequenz, der Stoffwechsel sowie die Verhaltensmuster der Spinnen die Zusammensetzung ihres Gifts beeinflussen könnte. Die Ergebnisse veröffentlichte das Team im Fachjournal „PLOS ONE“.
Vier hochgiftige Spinnen, drei Experimente
Vier verschiedene Arten von Trichternetzspinnen wurden von den Forschern untersucht: Hadronyche valida, Hadronyche infense, Hadronyche cerberea und Atrax robustus, besser bekannt als Sydney-Trichternetzspinne. Diese Art gilt als besonders gefährlich:
Nach Angaben des Australian Museum führte der Biss männlicher Sydney-Trichternetzspinnen früher häufig zum Tod. Seit der Einführung eines Gegengifts im Jahr 1981 seien aber keine Todesfälle bekannt.
Um die Giftproduktion der Tiere zu beobachten, führte das Team drei Versuche durch. Im ersten Experiment simulierten die Wissenschaftler einen Angriff eines Beutegreifers mit kurzen Luftstößen oder mit einer Pinzette.
Beim zweiten Experiment wurden zwei Spinnen der gleichen Art zusammengesetzt.
Im letzten Experiment durften die Tiere ein neues Gebiet erkunden.
Während der Studie achteten Hernández Duran und ihre Kollegen auf das Verhalten der Spinnen. Außerdem nutzen sie einen Laser, um die Herzfrequenz der Tiere zu messen.
So konnten die Forscher auch einen Näherungswert für die Stoffwechselrate der Trichternetzspinnen ermitteln. „Dann sammelten wir ihr Gift und analysierten es mit einem Massenspektrometer“, erklärt Hernández Duran in einer Pressemitteilung.
Der Begriff bezeichnet ein Verfahren, um die Masse von Molekülen zu messen.
Was stellten die Forscher über die Australischen Trichternetzspinnen fest?
Bei drei der vier Spinnenarten ließ sich keine Verbindung zwischen dem Verhalten, der Herzfrequenz und der Zusammensetzung des Spinnengifts nachweisen.
Bei der Art Hadryonche valida konnten Hernández Duran und ihr Team jedoch einen Zusammenhang zwischen einer höheren Herzfrequenz, defensivem Verhalten und dem molekularen Aufbau des Spinnengifts feststellen.
Aggressives Verhalten und der Einsatz ihres Gifts wirkte sich aber in mehreren Fällen auf den Stoffwechsel der Spinnen aus. Hernández Duran vermutet deshalb:
„Die Spinnen könnten verschiedene Verhaltensstrategien anwenden, um diese Stoffwechsel-Kosten zu kompensieren.“
Die Biologin erklärt: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Spinnen ihre Stoffwechselrate erhöhen, wenn sie Gifte verwenden, und ihre Bewegung reduzieren, wenn sie einer Bedrohung ausgesetzt sind.“
Mit anderen Worten: Fühlen sich die Spinnen durch etwas bedroht, verwenden sie Gift und bewegen sich dafür weniger.
Die Tiere könnten möglicherweise auch die Anzahl an Bissen regulieren, die Menge an Gift modulieren oder sich aggressiv verhalten, ohne zu beißen.
Aber was haben diese Ergebnisse mit uns Menschen zu tun?
Das Gift von Trichternetzspinnen kann für Menschen zwar äußerst gefährlich werden.
Es kann aber auch äußert nützlich sein. In Australien etwa wird eine abgewandelte Form des Gifts als Pestizid eingesetzt: Es tötet Schädlinge ab, ohne Nutztiere wie Honigbienen oder weitere Tiere zu beeinträchtigen.
Auch für die Medizin ist das Spinnengift von Interesse.
Das Gift der sogenannten K’gari-Insel-Trichternetzspinne etwa enthält ein Molekül, das gegen Herzattacken vorbeugen könnte, bestätigte ein Professor an der University of Queensland im Dezember 2022.
Zudem basiert das Gegengift zur Behandlung eines Spinnenbisses auf dem Gift der Trichternetzspinne.
„Trichternetzspinnen haben die komplexesten Gifte in der Natur“, erklärt Hernández Duran. „Wir haben zum ersten Mal gezeigt, wie spezifische Giftkomponenten mit bestimmten Verhaltens- und physiologischen Variablen verbunden sind und wir haben nachgewiesen, dass diese Beziehungen kontextabhängig sind“, sagt die Studienleiterin.
Das Gift von Trichternetzspinnen könnte viele mögliche Anwendungen haben. Je mehr wir über die Herstellung des Gifts wissen, so Hernández Duran, desto näher seien wir, „dieses Potenzial zu entfalten“.


