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Der Weberknecht der keine Spinne ist!
Der Weberknecht ist nicht einmal eine Spinne. Trotzdem wird er in jedem Haushalt zerdrückt, eingesaugt und zertreten, als wäre er eine.
Sein Körper hat einen einzigen runden Abschnitt, nicht zwei. Er hat keine Giftklauen, kein Spinnennetz, keine Giftdrüsen. Er gehört zu den Opiliones — einer eigenen Tierordnung, die mit Spinnen so verwandt ist wie Menschen mit Lemuren. Dieselbe Klasse, eine komplett andere Geschichte.
Die acht langen Beine sind der Grund, warum er stirbt. Sie sehen aus wie Spinnenbeine, also muss er eine Spinne sein — und also muss er gefährlich sein. Beide Schlüsse sind falsch. Seine Beine sind Tastorgane, Frühwarnsysteme und Temperaturmesser gleichzeitig. Verliert er eines, wächst es nicht nach. Jedes Bein fehlt für immer!
Was der Weberknecht im Haus macht: Milben fressen, Staubpartikel zersetzen, winzige tote Insekten verwerten. Er ist der Staubsauger, den man nicht einschalten muss. Im Keller und unter den Möbeln hält er Populationen von Hausstaubmilben und Silberfischchen in Schach — leise, nachts, ohne Netz, ohne Gift.
Der Mythos, der ihn am meisten gefährdet, kommt nicht aus Deutschland, aber er ist bis hierher gewandert: Weberknechte seien die giftigsten Spinnen der Welt, nur ihre Zähne seien zu klein, um menschliche Haut zu durchdringen.
Kein einziges Wort davon ist wahr.
Er ist keine Spinne. Er hat kein Gift. Er hat keine Zähne, die irgendetwas durchdringen könnten.
Der Mythos ist eine amerikanische Urban legend, die irgendwann über das Internet nach Europa geschwappt ist und Millionen Weberknechten das Leben gekostet hat.
Der Weberknecht ist das harmloseste Tier im Haus.
Er kann nichts, was schadet.
Er will nichts, was Menschen gehört.
Bitte nicht zerquetschen, nur weil er acht Beine hat.
Er sieht aus wie eine Spinne, aber er ist keine.
Quelle: Haus und Garten



